Flugplatzgeschichte
Zusammengestellt von den Bayerischen-Flugzeug-Historikern e.V.
1911
(Herbst) Das Bayerische Kriegsministerium weist das Remontedepot Schleißheim
an, die Bewirtschaftung der Felder
und Wiesen südlich der Schloßanlage
einzustellen.
1912
(1.1) Ein Fliegerkommando wird in München-Oberwiesenfeld bei der Luftschiffer-
und Kraftfahrabteilung des kgl. bayerischen Heeres gebildet.
(1.4.) Das Fliegerkommando wird zu einer Kompanie verstärkt und in Oberschleißheim
stationiert - Gründungstag der bayerischen Fliegertruppe und des Flugplatzes
Schleißheim.
(5.10) Anton Baierlein, Chefpilot der Otto-Flugzeugwerke, befördert
die erste amtliche "Bayrische Flugpost" vom Münchner Oberwiesenfeld
nach Schleißheim.
(7.10.) Beginn der Bauarbeiten an der Wache (Kommandantur), dem ersten
festen Flugplatzgebäude.
1913
(1.4.) Offizielle Bezeichnung: Militärfliegerstation Schleißheim.
(1.10) Erweiterung der Fliegerkompanie zu einem Bataillon mit Untergliederung
in Fliegerkompanie und Fliegerschule.
1914
(31.7) Kriegszustand, Beginn der Mobilmachung. Das Fliegerbataillon
erhält den Status einer Fliegerersatzabteilung. Drei bayrische Feldflieger-Abteilungen
werden in Schleißheim aufgestellt und an die Westfront verlegt.
1917
(25.8) Verlegung der Fliegerabteilung 304b auf den Kriegsschauplatz
Palästina. Auflassung der Schleißheimer Strasse und Verdoppelung des
Flugplatzes am östlichen Platzrand, Neubau von vier
Normalflugzeughallen und einer Großflugzeughalle, sowie Baubeginn der Werft.
1918
(11.11) Waffenstillstand.
1919
(Jan.) Kurierluftdienst von Schleißheim nach Weimar.
(6.3) Gesetz über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr: Aufhebung
der Wehrpflicht und Auflösung des deutschen Heeres; Bildung der Reichswehr
mit Fliegertruppen aus Freiwilligen; die bayrischen Reichswehr-Verbände
und die bayrische Fliegertruppe bilden weiterhin eine Einheit: Schleißheim
wird Reichswehr-Fliegerhorst. Fertigstellung der Werftanlage.
(1.12) Aufhebung des Kriegszustandes in Bayern. Gründung der Luftverkehrsgesellschaft
Bayrischer Luft-Lloyd mit Basis in Schleißheim.
1920
(10.1) Versailler Friedensbestimmungen treten in Kraft.
(9.4.) Einstellung des gesamten militärischen Flugbetriebs in Deutschland.
(8.5.) Offizielle Auflösung der deutschen und bayrischen Fliegertruppe
(Auflösung der Luftschiffertruppe am 30.09.1920). Ein Großteil der Gebäude
und Flugplatzanlagen wird demontiert.
1921
(29.1.) Auflösung der Polizei-Fliegerstaffel Schleißheim und Umwandlung
in Flugüberwachung Bayern Süd.
(11.4.) Eröffnung der Luftverkehrslinie Schleißheim - Konstanz durch
den Bayerischen Luft-Lloyd.
(23.5.) Flieger-Gedenktag in Schleißheim.
1922
Erste Hochgebirgslandung auf der Zugspitze durch F. Hailer von Schleißheim
aU.S..
1923
(22.10.) Gründung der ersten internationalen Luftverkehrsgesellschaft
Transeuropa-Union in Schleißheim. Udet-Flugzeugbau München-Ramersdorf
nutzt Schleißheim als Werksflugplatz (bis 1926). Schleißheim wird technischer
Betriebshafen der München-Oberwiesenfeld anfliegenden Luftverkehrsgesellschaften.
1925
(31.1.) Flugwettbewerb "Zugspitzflug" von Schleißheim aus.
(15.4.) Eröffnung des Luftverkehrs mit Italien durch den Süddeutschen
Aero-Lloyd; W. Polte und F. Hailer starten in Schleißheim mit Dornier
Kormet III zur ersten Alpenüberquerung mit einem Verkehrsflugzeug.
(12. - 14.9.) Internationaler Flugwettbewerb in Schleißheim. Übernahme
der Werfthalle durch die Bayrische Sportflug GmbH und Errichtung einer
Flugschule.
1926
(6.1.) Gründung der Deutschen Lufthansa; Schleißheim bleibt bis September
1929 technischer Betriebshafen der Lufthansa.
(7.2.) Start in Schleißheim zur ersten Hochgebirgsüberfliegung mit einem
Leichtflugzeug durch H. Guritzer und W. v. Langsdorff.
1927
Umwandlung der Flugschule der Bayrischen Sportflug GmbH in Schleißheim
zur Deutschen Verkehrsflieger-Schule (DVS).
Rund ein Drittel der Flugschüler sind vormalige Reichswehrangehörige, die als Zivilisten getarnt eine Flugausbildung erhalten.
1933
Beschleunigter Aufbau der inoffiziellen Luftwaffe; die DVS Schleißheim
erhält zunehmend den Charakter einer Jagdfliegerschule.
Grundlegender Um- und Ausbau des Flugplatzes bis 1936, u.a. Errichtung
des Startgebäudes (Flugleitung) und der Junkers-Hallen durch
Architekten der sogenannten Postbauschule, die auch als "bayerische
Moderne" bezeichnet wird.
Für die Baumaßnahmen der Jahre
1933 und 1934 wird aus Gründen der
Tarnung gezielt eine unauffällige,
zivile Gestaltung gewählt.
1935
(März) "Enttarnung" der Luftwaffe; Schleißheim wird offiziell Luftwaffen-Fliegerhorst
mit A/B-Schule und Jagdfliegerschule.
1938
Schleißheim wird Leithorst-Kommandatur.
1939
(März) Verlegung der A/B-Schule; Schleißheim wird reine Jagdfliegerschule.
(Aug.) Anfang der Zerstörer-Ausbildung in Schleißheim.
(1.9.) Beginn des zweiten Weltkriegs.
Baubeginn Fliegertechnische
Schule Schleissheim mit vier
Flugzeughallen und
Unterkunftsbereich für 4000
Personen. Die Unterkünfte werden
vorerst als Barackenstadt errichtet,
die später durch feste Gebäude
ersetzt werden sollen. Bedingt durch
den Kriegsverlauf werden diese Pläne
nicht umgesetzt. Eine fünfte
Flugzeughalle wird begonnen, aber
nie fertig gestellt.
1940
(1.4.) Umbenennung der Jagdfliegerschule in Zerstörerschule.
Baubeginn für die Neue Werft, die
heutige Halle 3.
1942
(Juni) Beginn der Nachtjagd-Ausbildung in Schleißheim (Nachtjagdschule
I).
(21.12.) Erster Luftangriff auf Schleißheim.
1943
(10.03.) Umbenennung der Nachtjagdschule 1 in Nachtjagdgeschwader 101.
(31.3.) Baubeginn des Gefechtsstandes der Jägerleitzentrale der 5. (später
7.) Jagddivision unter dem Tarnnamen "Minotaurus".
(13.9.) Schleißheim wird Basis des Nachtjagdgeschwaders 6.
1944
(Juli) Mehrere schwere Luftangriffe mit erheblichen Zerstörungen und
vielen Opfern unter der Zivilbevölkerung.
(August) 7. Jagddivision verlegt nach Pfaffenhofen/Ilm da die Kommunikationsleitungen durch die
vorangegangenen Bombenangriffe schwer beschädigt wurden.
1945
(29.4.)
U.S.-Truppen besetzen den Flugplatz. Der Flugplatzkommandant
Oberstleutnant Schröder fährt zur
Unterstützung der Freiheitsaktion
Bayern den U.S. Truppen mit einer
weißen Fahne entgegen, übergibt den
Flugplatz und bietet seine
Unterstützung bei der Eroberung
Münchens an. Die zur Verteidigung
des Flugplatzes eingesetzten
Luftwaffensoldaten ergeben sich
unter dem Kommando von Lt. Spoden
kampflos den heranrückenden U.S.
Truppen.
(ab Mai) Instandsetzung des
Flugplatzes durch das 816th EAB (Engineer Aviation Battailon). Verlängerung der
Startbahn auf 1600m, Neubau von
60 befestigten
Flugzeugabstellplätzen und
befestigter Rollwege. Neubau eines
Kontrollturms in Holzbauweise.
(1.9.) Wiedereröffnung des
Flugplatzes als "Schleissheim
Airbase" 344th BG (Bombardment Group) verlegt nach Schleissheim.
Ehemaliger Unterkunftbereich der
Fliegertechnischen Schule
Schleissheim wird von der UNRRA als
"DP-Lager Schleissheim"
übernommen.
1946
(15.2) 344th BG verlegt nach U.S.A, Personal und Material werden von ...
übernommen. Flugplatz Schleissheim wird Ordnance Depot der U.S. Army.
Das "Joint American Distribution Comitee" nutzt einige Hangars als
Lager.
Labor Supervision Companies der
U.S. Army betreiben eine Sammel- und
Verwertungsstelle für Kriegsschrott. Start-/Landebahn wird
durch Sprengung unbrauchbar gemacht, nachdem es mehrere
Unfälle (Fahrwerksbrüche) bei nicht genehmigten
Flugbetrieb durch platzfremde
Flugzeuge gegeben hat.
1947
Übergabe des Flugplatzes von der
U.S. Air Force an die U.S. Army.
Instandsetzung der gesprengten
Start-/Landebahn. Ab jetzt "Schleissheim
Army Airfield (AAF)"
Der Flugplatz wird als
Nachschubdepot genutzt, fliegende
Verbände sind nicht stationiert.
1953
Amerikanische Soldaten und ein englischer Zivilist gründen den "Lone Star Flying Club". Den im Großraum München
stationierten U.S. Soldaten soll auf dem Schleissheim AAF die Möglichkeit gegeben werden,
eine vorhandene zivile Pilotenlizenz zu erhalten oder zu
erwerben. Abtrennung des östlichen Flugplatzteils und Errichtung
einer Empfangsstation für Radio Free
Europe und Radio Liberty.
1954
Der Luftsportclub Ikarus wird gegründet Ein Dutzend flugbegeisterter
Unverdrossener findet sich in einer Baracke in München am Hans-Mielich-Platz
zusammen und baut dort ein Segelflugzeug. Eine glückliche Fügung beschert
eine Seilwinde. Auch ein Flugplatz ist bald gefunden: besser gesagt,
das Gelände, auf dem schon bald ein Flugbetrieb stattfinden soll. Zunächst
ist es eine von Bombentrichtern aus dem 2. Weltkrieg übersäte und von
Panzern zerfurchte Landschaft. Das Gelände liegt auf der Fröttmaninger
Heide, zwischen der Ingolstädter Straße und der Nürnberger Autobahn.
Knapp 4000 Arbeitsstunden in einem Jahr leisten die inzwischen auf die
Zahl 20 angewachsenen Mitglieder des Luftsportclubs. Gering ist noch
die Zahl der Starts. Nach einem 14-Stunden Tag kann einer froh sein,
wenn er gerade mal 2 Starts absolviert hat.
1956
(31.3.) Stationierung der .... in Schleißheim.
Umbau der kriegsbeschädigten
Flugzeughalle 4/süd in eine
Flugplatz-Feuerwache. (Die
Hallennummer "4" wird 1964 einer
anderen Halle zugeteilt)
1958
(25.4.) Stationierung der Bundeswehr-Heeresfliegerstaffel 1 in Schleißheim.
Neubau eines Kontrollturms in Betonbauweise durch die U.S. Army
1961
(..)Tag der offenen Tür und Großflugtag (Armed Forces Day)
bei den in Schleissheim stationierten amerikanischen Truppen
(..) Autorennen ...
1964
(10.9.) Neubau einer Flugzeughalle und Stationierung der Bundesgrenzschutz Fliegerstaffel Süd.
Die neu gebaute Halle erhält die Nr. 4.
1965
Aufnahme des Segelflugbetriebes auf dem Schleißheim AAF durch den Luftsportclub
"Ikarus".
1966
(1.4.) Schleißheim wird Hubschrauber-Schulungszentrum der U.S.-Army.
1968
(1.9.) U.S.-Heeresflieger verlassen Schleißheim.
1971
Der "Miontaurus" wird gesprengt und die Nebenbegäde abgebrochen. Die Fläche wird im Stil einer englischen Parklandschaft neu gestaltet.
1972
(Aug.) Schleißheim ist Hubschrauberbasis für die Olympischen Spiele
in München.
1973
(31.5.) Übergabe der Flugplatzverwaltung von der U.S.-Army an die Bundesrepublik
Deutschland.
1981
(30.6.) Einstellung des militärischen Flugbetriebes in Schleißheim; Heeresfliegerstaffel
8 verlegt nach Penzing.
(30.9.) Auflösung der Heeresflugplatzkommandatur 204; fünf Luftsportvereine
und die Bundesgrenzschutz-Fliegerstaffel bleiben auf dem Platz.
1983
(Nov.) Gründung des Vereins zur Erhaltung der historischen Flugwerft
Oberschleißheim e.V.
1985
(30.7.) Beschluss des bayrischen Ministerrates zur Erhaltung des historischen
Werftkomplexes.
Abbruch des Offizierskasinos und
der Unterkunftsgebäude im Nordteil
des Flugplatzgeländes. Das
Offizierskasino hat bei dem
amerikanischen Soldaten als "First
Ice Cream Soda Bar east of River
Rhine" bzw. "Schleissheim NCO Club"
legendären Ruhm erlangt.
(2.10.) Weltrekordflug von H. Rochelt mit dem Muskelkraft-Flugzeug "Musculair
2" in Schleißheim.
1985
(23.6) Internationaler Großflugtag anlässlich "1200 Jahre Oberschleißheim.
1987
(13.9) Internationaler Großflugtag anlässlich "75 Jahre Flugplatz Oberschleißheim unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten.
1992
Die restaurierte Flugwerft
wird unter der Leitung des Deutschen Museums wieder eröffnet.
1994
(April) Gründung der Bayerischen-Flugzeug-Historiker e.V.
1995
(30.06) Radio Free Europe und Radio Liberty verlassen das Flugplatzgelände. Damit wird die letzte U.S. Einrichtung am Platz geschlossen.
1999
Der Flugplatz Oberschleissheim wird Sonderlandeplatz. Er trägt
der ICAO Location Indicator EDNX.
2003
Internationaler Großflugtag anlässlich "100Jahre Deutsches Museum und
100 Jahre Menschenflug".
|