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FSN 2009/20 - 27. November 2009
Plädoyer pro Fürsty

Endanflug Piste 09 Fürsty zum Oktoberfest FlyIn 2009
Foto: P. Eschbach
Grundsätzlich ist unsere Flugplatz Schleißheim Homepage und die FSN kein Nachrichtenmedium mit dem Anspruch, die Welt bzw. die Welt der allgemeinen Luftfahrt zu verbessern, aber wenn es in der Nachbarschaft brennt, ist es doch selbstverständlich, zumindest alles zu versuchen, einen drohenden Flächenbrand zu verhindern.
Ein Flächenbrand droht nämlich in der Tat, wenn sich die Bayerische Staatsregierung unter Federführung des zuständigen Ministeriums, geleitet durch Herrn Minister Zeil, über den Umweg eines neuen Landesentwicklungsplans durchsetzt, ein Verkehrslandeplatz für die allgemeine Luftfahrt in der Region 14 sei verzichtbar. Für uns in Oberschleißheim bedeutet ein Aus von Fürsty schlicht eine Katastrophe. Den sogenannten weiteren Alternativen Jesenwang, Dachau oder Moosburg geht es dabei keineswegs besser. Dazu haben wir Stellungnahmen abgegeben, ebenso wie unsere Belegenheitsgemeinde Oberschleißheim.

Die Oberschleißheimer Wilga neben rund 200 weiteren Gästeflugzeuge
an der provisorischen Flightline in Fürsty.
Foto: P. Eschbach
Daher muss ich in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal über Fürsty berichten (siehe FSN 4/2009). Zunächst gebe ich zu, beim Artikel im Frühjahr einen kleinen Fauxpas begangen zu haben, denn Rehe sind natürlich kein Rotwild, sondern werden dem Schalenwild zugeordnet. In diesen Tagen endet die Frist für die Einreichung einer Petition zum Erhalt der FFH-Flächen auf dem Flugplatzgelände Fürsty. Dabei geht es um den Erhalt der in Jahrzehnten gewachsenen Flora und Fauna, die sich in dieser Form in unserer Kulturlandschaft praktisch nur auf Flugplätzen und früheren militärischen Übungsgeländen entwickeln konnte. Ganz ähnlich wie auf unserem Flugplatz Schleißheim, der mittlerweile Bestandteil des europäischen Biotopverbundnetzes Natura 2000 ist (siehe FSN 25/2007).
Aber es gibt noch zahlreiche andere häufig genannte Gründe, diesen Flugplatz Fürsty in Einklang mit Nachbarschaft, Umwelt und Wirtschaft endlich zu genehmigen. Trotz bereits real existierendem Verkehrsinfarkt auf den Straßen soll damit ein Verkehrsträger, die allgemeine Luftfahrt, mit der in Fürsty bereits faktisch bestehenden Verbindung an das öffentliche Verkehrsnetz S-Bahn-München, ausgegrenzt werden, das betrachte ich als diskriminierend. Sind Arbeitsplätze in der allgemeinen Luftfahrt in Bayern weniger wert als Arbeitsplätze z.B. bei BMW, der Bayerischen Landesbank, bei EADS oder beim Dönerstand um die Ecke? Welche echten Alternativen hat denn die Landes- und Kommunalpolitik bisher entwickelt? Ich sehe nur Blütenträume, aufgebaut auf Großunternehmen, die angesichts der aktuellen weltweiten Situation vorsichtig ausgedrückt, erheblich kleinere Brötchen backen - müssen, auch in Zukunft.

Alte Bekannte aus Schleißheim, die AN 2.
Dank bestem Flugwetter Solidarität mit Fürsty aus ganz Bayern.
Foto: P. Eschbach
Sehr geehrter Herr Minister Zeil. Klartext, ich begrüße es, aufgrund der Initiative Ihrer Fraktion den Schritt zur Begründung einer Lebenspartnerschaft in Bayern jetzt im feierlichen Rahmen eines Standesamtes gehen zu können, kein Vergleich zu meiner persönlichen Erfahrung in einem muffigen Notarbüro. Aber in Sachen allgemeine Luftfahrt (AL)? Wo sind wegweisende Entscheidungen oder gar Erfolge? Stattdessen entscheiden Sie sich mit dem von Ihnen eingeschlagenen Weg für's platt machen. Keine besonders innovative Idee, zumal dieser Weg einer Resolution des Europäischen Parlaments zur allgemeinen Luftfahrt widerspricht. Diese mit überwältigender Mehrheit im Sommer dieses Jahres beschlossene Resolution bestätigt die Unverzichtbarkeit der AL als Verkehrsträger und damit verbunden die weitere Entwicklung der AL als europäisches Entwicklungsziel. Könnte es sein, dass sich da Laptop und Lederhose in jüngster Zeit in Bayern als Gegner gegenüber stehen?
Wie soll es weiter gehen? Meine Meinung, alle zusammen noch einmal an den Tisch und miteinander reden, ein von allen Beteiligten getragenes Konzept zugunsten Nachbarn, Wirtschaft, Umwelt und last but not least uns Fliegern ausarbeiten. Unterschreiben, genehmigen und gut ist es.
Echte Bayern leben nach einem Satz, der auch in Fürsty gelten muss:
Leben und leben lassen. Josef Kobold
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