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FSN 2009/01 - 06. Februar 2009
Stress im Flugzeug

Ein ganz normaler Windenstart,
ohne Übung entsteht Stress, wenn in dieser Phase das Seil reisst.
Foto: P. Eschbach
Stress, wer kennt dieses Phänomen nicht? Ganz ehrlich, jeder ist in seinem Leben schon von Stress betroffen gewesen. Die Mehrzahl ignoriert ihn ganz einfach - fragt sich nur wie lange? Meist tritt er auf im Berufsleben, häufig auch im privaten oder familiären Umfeld, leider auch all zu häufig in der Freizeit bei Sport und Spaß. Nicht zu verachten sind die längerfristigen Nachwirkungen in Zeiten, in denen der Stress eigentlich längst kein Thema mehr sein sollte.

Ein entspannter Flug in die Alpen im Januar von Schleißheim aus in einer Piper Seneca, ohne exakte Checks und Training kann unnötiger Stress entstehen,
wenn irgend etwas nicht mehr nach Plan läuft.
Foto: P. Eschbach
Höchste Zeit, einmal dieses Thema für Piloten aufzubereiten. So geschehen durch den Flugsicherheitsinspektor Süd/Ost (FSI) des DaeC, Herbert Lehner, der im Januar mit einem interessanten Vortrag rund 50 Oberschleißheimer Piloten im Clubheim des Ikarus Luftsportclub das Thema näher brachte. Zunächst beschrieb er vielfältige Stressformen, die im Flug in unterschiedlichen Situationen auftreten können. Zu den flugspezifischen Formen zählen z.B. aktuelle Gefahrensitutationen (Segelflug z.B. Seilriss), Zuspitzung von Situationen (z.B. Wetterverschlecherung) oder psychosozialer Stress.
Kann solcher Stress vermieden werden? Eindeutig ja, gründliche Flugvorbereitung, exaktes Abarbeiten der Checklisten bei Vorflugkontrolle und Flugvorbereitung und ganz wichtig, keine Hektik vor dem Flug! Damit wird schon ein großer Teil von Stress im Falle des Falles vermieden.
Ebenfalls unverzichtbar, Training von Notfallszenarien (z.B. Motorstörungen, Außenlandungen, gefährliche Annäherungen, erkrankte Person im Flugzeug, elektrische Ausfälle oder Rauch im Flugzeug u.s.w.). Hilfreich ist auch das Erlernen von Stressbewältigungstechniken wie autogenes Training oder Yoga, wenn auch die eine oder andere Methode häufig belächelt wird - ich bin Pilot, ich kann das!?

FSI Herbert Lehner demonstriert den Notausstieg aus der ASK 21.
Foto: J. Kobold
Stress bewirkt andererseits eine erhöhte Handlungsbereitschaft beim Piloten, aber das hilft nur, wenn er dann die richtige Handlung durchführt - quasi automatisch. Dazu erfordert es Training und darum ging es im zweiten Teil des Vortrags von Herbert Lehner. Trotz der unangenehmen Temperaturen raus in die Halle und Notausstieg aus dem Segelflugzeug üben. Es sind an sich eine überschaubare Anzahl von Griffen zu tun, im wesentlichen Haube auf bzw. weg, Anschnallgurte lösen, Aussteigen, Rettungsschirm öffnen. Aber nur ein einziger Drehfehler in der Reihenfolge führt zur unvermeidlichen Katastrophe. Der Spitzenreiter der Übenden lag bei rund 4 Sekunden zwischen Entscheidung und vollendetem Ausstieg. Klar, das Flugzeug bei der Übung ist intakt und gleich neben dem Flugzeug landete man sanft auf einer Matratze. Aber es ging ja um den richtigen Ablauf der Aktionen.

Übungseinheit, raus aus dem Segelflugzeug
Foto: J. Kobold
Vor ziemlich genau einem Jahr wurde im Rahmen eines Erste Hilfe Kurses auch die Bergung aus einem Flugzeug geübt (siehe FSN 2008-01), auch hier wurden Probleme mangels Übung von allen Beteiligten erkannt. Ein riesiger Trainingsbedarf besteht auch bei Feuer und Rauch und der daraus resultierenden Bedienung der Feuerlöscheinrichtungen und des entsprechenden Feuerwehrfahrzeugs. Insbesondere die deutsche Segelflugzeugindustrie liefert zum größeren Teil motorisierte Segelflugzeuge aus. Das Thema Feuer und Rauch ist damit auch bei Segelflugzeugen eine reale Gefahr für den Piloten. Dank diesem Vortrag sollte das Bewusstsein bei Piloten für Stress und Stressbewältigung, bei Notfällen, bei Rettung und Selbstrettung wieder in den Mittelpunkt gerückt sein.
Üben, üben und nochmals üben, so der erfolgreichste Lösungsansatz, damit wir auch in Zukunft stressfrei viel Spaß an der Fliegerei haben können.
Josef Kobold
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