FSN 2007/01 - 10. Januar 2007
Good bye Synchron-Flyers

Ein Traum vom Fliegen, die Synchron Flyers.
Bild: flodur
Mit einer Träne im Auge mussten wir im späten Herbst 2006 das endgültige Aus
der berühmten Schleißheimer Segelkunstflugformation "Synchron Flyers"
akzeptieren. Mit dem Verkauf einer der beiden Lo 100 "Zwergreiher" an das
Kunstflugteam Franken, Peter und Michael Hoffmann und Karl-Heinz Ideler, endet
die Ära der durch Ludwig Fuß im Jahr 1984 gegründeten Formation.

v.l. Karl-Heinz Ideler,
Herbert Lehner, Peter Hoffmann, Ludwig Fuß, Michael Hoffmann
Bild: Hoffmann
1985 krönte Ludwig Fuß seine
sportliche Laufbahn im
Segelkunstflug mit dem
Weltmeistertitel in der Bekannten
Pflicht und als Vizeweltmeister im
Segelkunstflug. Von Anfang an konnte
er mit Herbert Lehner einen hervorragenden
Partner für diese damals wohl einmalige motorlose Kunstflugformation gewinnen.
Benno Weiß ergänzte die bewährte Formation von 1987 bis 1994. So reifte die
Darbietung zu einer in ganz Europa begehrten Show, die die Zuschauer bis zuletzt
immer wieder in Staunen versetzte und für Begeisterung sorgte.

Ludwig und Herbert in ihren Lo’s vor dem Tanz.
Bild: Jkobold
Treffend ist auch die Beschreibung der faszinierenden Show: Die Pirouette auf
der Wolke: "Anstatt des Motorenlärms trifft Musik das menschliche Ohr. Über den Himmel
gleiten zwei grazile, schlanke Flugzeuge. Die geflügelten Ballerinas drehen ihre
Pirouetten ohne Hast. Sie machen den Eindruck, als ob Sie sich für den Rest
unserer Zeit unter den Wolken aufhalten wollten. Die Piloten aber, die in den
beiden Segelflugzeugen sitzen und nach einer Choreographie über den blauen
Himmel tanzen, wissen ganz genau, daß sie die Energie sorgfältig einteilen
müssen. Die präzise Durchführung der einzelnen Kunstflugfiguren ist
lebensnotwendig, da man nach einer ungenauen Drehung kein Gas geben kann. Die
„Vögel“ demonstrieren ihr Können knapp über dem Boden. Leicht wie eine
Flaumfeder scheinen sie zu schweben.
In dem Moment, wenn die Piloten der Segelflugzeuge ihre sensationelle und
überaus schwierige Darbietung beginnen, denken und fühlen sie wie eine Person,
ja sie bewegen sich sogar wie ein einziger Mensch.

Lo kurz vor der Landung in Degerfeld.
Bild: LFuß
Sie gleichen einander während des tänzerischen Fluges, wie eineiige Zwillinge
und lösen diese Verbindung der Harmonie erst, wenn sie das Flugzeug verlassen.
Im Gleichklang ihres Handelns erfühlen die Führer des Flugzeuges die Musik,
sie vertiefen sich in die Melodie und lassen die Musik mit den choreographischen
Elementen verschmelzen.
Höhepunkt des „Himmelstanzes“ ist der Spiegelflug. Eines der Flugzeuge dreht
sich um. Kokett sieht das eine Fluggeräte sein Spiegelbild im anderen
Segelflieger und umgekehrt.
Der Pilot des im Rückenflug befindlichen Vogels denkt in verkehrten
Dimensionen. Wie ein lebendiges Spiegelbild macht er alle Bewegungen mit. Er
muss seinem Teamkollegen blind vertrauen können.
Um das Schweben besser zu unterstreichen, ziehen die Flugzeuge während ihrer
Darbietung Rauch nach sich. Wenn man diese unwirklichen Wesen gegen den
tiefblauen Himmel betrachtet, dann wartet man ungewollt darauf, daß sie in einer
plötzlich herbeieilenden Wolke verschwinden und im Märchen in ihr Himmelsschloss
zurückkehren.
Man steht erst wieder mit beiden Beinen auf der Erde, wenn die Piloten aus
den gelandeten Flugzeugen steigen – aus dem Traum ist wieder Realität geworden."
(Ludwig Fuß)

Ludwig Fuß und Herbert Lehner bei der Grundüberholung einer Lo 100.
Bild: Jkobold
Was bringt die Zukunft? Unter dem Titel "Airteam Schleissheim" werden wir
versuchen, an die Erfolge von Ludwig Fuß im Segelkunstflug anzuknüpfen, aber
auch in anderen Luftsportdisziplinen, wie z.B. Navigations- und Präzisionsflug
mit Motorflugzeugen, tätig zu werden und vor allem die Jugend im
Oberschleißheimer Luftsport auf dem Weg zum Wettbewerbssport zu unterstützen.
Mit Ludwig Fuß haben wir einen idealen Trainer, der dem Nachwuchs den
sportlichen Weg weisen kann.
Josef Kobold
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